Header

Vollkommene Hingabe
Das Goldene Buch

30. Tag
Zweiter Zeitabschnitt
Übungen für drei Wochen, um uns durch Maria
mit dem Geiste Jesu Christi zu erfüllen.

Thema des Tages

Unsere Antwort auf die Liebe Christi: 1. Erkenntnis Christi

Kann man lieben, was man nicht kennt? Kann man glühend lieben, was man nur ungenügend kennt? Warum lieben wir die menschgewordene Ewige Weisheit, unseren anbetungswürdigen Heiland, so wenig? Doch nur, weil wir ihn nicht kennen, oder zu wenig kennen! Lernen wir unseren Herrn immer mehr kennen durch gläubiges Lesen der Heiligen Schrift und durch liebende Betrachtung seines Lebens nach dem Vorbild Mariens: "Maria bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen." (Lk 2,20)

Tägliches Gebet

Litanei vom Heiligen Geiste

Herr, erbarme Dich unser!
Christus, erbarme Dich unser!
Herr, erbarme Dich unser!
Christus, höre uns!
Christus, erhöre uns!
Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser!

O Geist der Wahrheit, erbarme dich unser!
(Folgende Anrufungen enden mit "erbarme dich unser!")

O Geist der Weisheit,
O Geist des Verstandes,
O Geist des Rates,
O Geist der Stärke,
O Geist der Wissenschaft,
O Geist der Frömmigkeit,
O Geist der Furcht des Herrn,
O Geist des Glaubens,
O Geist der Hoffnung,
O Geist der Liebe,
O Geist der Freude,
O Geist des Friedens,
O Geist der Geduld,
O Geist der Milde,
O Geist der Güte,
O Geist der Langmut,
O Geist der Sanftmut,
O Geist der Treue,
O Geist der Mäßigkeit,
O Geist der Enthaltsamkeit,
O Geist der Keuschheit,
O Geist der Bescheidenheit,
O Geist der Demut,
O Geist der Klugheit,
O Geist des Lebens,
O Geist des Heiles,
O Geist aller Tugenden,
O Geist der vielfältigen Gnaden,
O Geist der Kindschaft Gottes,
Du Erneuerer der Seelen,
Du Heiligmacher und Regierer der kath. Kirche,
Du Erforscher der Herzen und Nieren,
Du Ausspender der himmlischen Gaben,
Du Ergründer der Gedanken und Herzen,
Du sicherer Schutz in allen Trübsalen,
Du Süßigkeit aller in Deinem Dienste Anfangenden,
Du Stärke der in Dir Zunehmenden,
Du Krone der Vollendeten,
Du Jubel der Engel,
Du Erleuchter der Patriarchen,
Du Einsprecher der Propheten,
Du Weisheit der Apostel,
Du Sieg der Martyrer,
Du Wissenschaft der Bekenner,
Du Reinigkeit der Jungfrauen,
Du Salbung der Heiligen,

Sei uns gnädig, verschone uns, o Heiliger Geist!
Sei uns gnädig, erhöre uns, o Heiliger Geist!
Von allem Übel erlöse uns, o Heiliger Geist!

Von aller Sünde, erlöse uns, o Heiliger Geist!
(Folgende Anrufungen enden mit "erlöse uns, o Heiliger Geist!")

Von allen Versuchungen und Nachstellungen des Teufels,
Von aller Unreinigkeit des Leibes und der Seele,
Vom Jähen und unversehenen Tode,
Vom ewigen Tode,
Durch Deine wesensgleiche Macht mit dem Vater und dem Sohne,
Durch Deine unerforschliche Weisheit,
Durch Deine unerschöpfliche Güte,
Durch Deine Herabkunft in die Seelen Deiner Gläubigen,

Wir arme Sünder! Wir bitten Dich, erhöre uns!
Dass Du uns verschonest, wir bitten Dich, erhöre uns!

Dass Du uns mit Deiner heiligen und wirksamen Gnade in allem zuvorkommen, begleiten und nie von uns weichen wollest, wir bitten dich, erhöre uns!
(Folgende Anrufungen enden mit "wir bitten Dich, erhöre uns!")

Dass Du uns die Erkenntnis unserer selbst, wahre Demut und die Verzeihung unserer Sünden erteilen wollest,
Dass Du uns die Gabe der wahren Gottseligkeit, Andacht und des Gebetes schenken wollest,
Dass Du uns eine möglichst vollkommene Erkenntnis Deiner Braut, der allerseligsten Jungfrau Maria, und ihre heilige Liebe verleihen wollest,
Dass Du alle unsere Gedanken, Worte und Werke zu Dir emporrichten, heiligen und regieren wollest,
Dass Du uns die alles übertreffende Erkenntnis Jesu Christi und seine unschätzbare Liebe schenken wollest,
Dass Du einen reinen Geist und ein neues Herz in uns erschaffen wollest,
Dass Du uns ın der Liebe und Gnade erhalten und bestätigen wollest,
Dass Du uns ın die Zahl Deiner Auserwählten aufnehmen wollest,
Dass Du uns erhören wollest,

O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib uns den Heiligen Geist!
O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sende uns den Hl. Geist!
O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gieße aus über uns den Heiligen Geist!

Christus, höre uns!
Christus, erhöre uns!
Herr, erbarme Dich unser!
Christus, erbarme Dich unser!
Herr, erbarme Dich unser!

Vater unser, etc.
Gegrüßet seist du Maria, etc.

V. Sende aus Deinen Geist, und sie werden neu geschaffen werden.
R. Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern.

Gebet: O Gott, der Du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt hast, gib, dass wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und seines Trostes uns allzeıt erfreuen. Durch Christus, unsern Herrn.
Amen.

Tägliches Gebet

Ave Maris Stella

Ave, Stern der Meere,
Gottesmutter hehre,
Allzeit Jungfrau, süße
Tür zum Paradiese!

Aus des Engels Munde
Ward die frohe Kunde;
Uns den Frieden spende,
Evas Namen wende.

Lös' das Band der Sünden,
Bringe Licht den Blinden,
Unsern Übeln wehre,
Jeglich Gut beschere!

Dich als Mutter zeige;
Und erhörend neige
Dir sich, der auf Erden
Kam, Dein Sohn zu werden.

Jungfrau, allzeit reine,
Sanft und mild wie keine,
Schuldlos lass auf Erden
Sanft und keusch uns werden.

Woll' ein reines Leben,
Sichern Pfad uns geben,
Dass in Himmelshöhen
Froh wir Jesus sehen.

Lob sei Gott dem Vater,
Preis dem höchsten Sohne
Und dem Heil'gen Geiste,
Jedem gleiche Ehre. Amen.

Tägliches Gebet

Litanei vom heiligsten Herzen Jesu

Herr, erbarme dich unser!
Christus, erbarme dich unser!
Herr erbarme dich unser!
Christus, höre uns!
Christus erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser!
Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser!
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser!

Herz Jesu, des Sohnes Gottes, erbarme Dich unser!
(Folgende Anrufungen enden mit "erbarme dich unser!")

Herz Jesu, im Schoße der Jungfrau Maria vom Heiligen Geiste gebildet,
Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft vereinigt,
Herz Jesu, unendlich erhaben,
Herz Jesu, Du heiliger Tempel Gottes,
Herz Jesu, Du Zelt des Allerhöchsten,
Herz Jesu, Du Haus Gottes und Pforte des Himmels,
Herz Jesu, Du Feuerherd der Liebe,
Herz Jesu, Du Wohnstatt der Gerechtigkeit und Liebe,
Herz Jesu, voll Güte und Liebe,
Herz Jesu, Du Abgrund aller Tugenden,
Herz Jesu, würdig allen Lobes,
Herz Jesu, Du König und Mitte aller Herzen,
Herz Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind,
Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt,
Herz Jesu, das dem Vater wohlgefällt,
Herz Jesu, aus dessen Gnade wir alle empfangen,
Herz Jesu, Du Sehnsucht der Schöpfung von Anbeginn,
Herz Jesu, geduldig und von voll Erbarmen,
Herz Jesu, reich für alle, die dich anrufen,
Herz Jesu, Du Quell des Lebens und der Heiligkeit,
Herz Jesu, Du Sühne für unsere Sünden,
Herz Jesu, mit Schmach gesättigt,
Herz Jesu, wegen unserer Missetaten zerschlagen,
Herz Jesu, bis zum Tode gehorsam,
Herz Jesu, durchbohrt von der Lanze,
Herz Jesu, Du Quell allen Trostes,
Herz Jesu, unsere Auferstehung und unser Leben,
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung,
Herz Jesu, Du Opferlamm für die Sünder,
Herz Jesu, Du Rettung aller, die auf dich hoffen,
Herz Jesu, Du Hoffnung aller, die in dir sterben,
Herz Jesu, Du Freude aller Heiligen,

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - verschone uns, o Herr!
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erhörte uns, o Herr!
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erbarme dich unser!

Jesus, gütig und selbstlos von Herzen - bilde unser Herz nach deinem Herzen.

Lasset uns beten:
Allmächtiger, ewiger Gott, schau hin auf das Herz deines geliebten Sohnes und auf das Lob und die Sühne, die es dir für die Sünder darbringt. Verzeihe allen, die deine Barmherzigkeit anflehen, im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrschtvon Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Tägliches Gebet

Gebet des Hl. Augustinus zu Jesus

Du bist Christus, mein heiliger Vater, mein barmherziger Gott, mein großer König, mein guter Hirt, mein einziger Lehrer, mein bester Helfer, mein schönster Geliebter, mein lebendiges Brot, mein Priester in Ewigkeit, mein Führer zum Vaterland, mein wahres Licht, meine heilige Süßigkeit, mein gerader Weg, meine hellerleuchtete Weisheit, meine reine Einfalt, meine friedensvolle Eintracht, mein ganzer Schutz, mein kostbares Erbe, mein ewiges Heil!

O Jesus Christus, liebenswürdiger Herr, warum habe ich in meinem ganzen Leben etwas anderes geliebt, etwas anderes verlangt, als Dich, Jesus, meinen Gott?

Wo war ich, da ich an Dich nicht dachte?

Von jetzt an erwärmet und ergießet euch, alle meine Wünsche, für Jesus, meinen Herrn; laufet schnell, genug habt ihr bis jetzt verzögert; eilet eurem Ziele zu, suchet, wonach ihr verlangt!

O Jesus, verworfen sei, wer Dich nicht liebt! Wer Dich nicht liebt, werde mit Bitterkeit gesättigt! O süßer Jesus, Dich liebe, in Dir erfreue sich, Dich bewundere jedes Menschenherz, das sich nach Deinem Lobe sehnt! Jesus Christus, Gott meines Herzens und mein Anteil, mein Herz verliere all sein Leben, lebe Du in mir! Es erglühe in meiner Seele die glimmende Kohle Deiner Liebe und entbrenne zu hell aufloderndem Feuer; sie brenne immerdar auf dem Altare meines Herzens, sie glühe im Innersten meines Wesens, sie flamme bis in den tiefsten Grund meiner Seele! Möchte ich am Tage meiner Vollendung vollkommen erfunden werden in Dir.

Amen.

Betrachtung: Das Goldene Buch S. 41 - 43

Erste Wahrheit: Jesus Christus ist unser letztes Ziel

Jesus Christus, unser Erlöser, wahrer Gott und wahrer Mensch, muss das letzte Ziel all unserer Andachtsübungen sein; sonst wären sie falsch und irreführend. Denn Jesus Christus ist das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende aller Dinge. Wir arbeiten nur daraufhin, wie der Apostel sagt, jeden Menschen in Jesus Christus vollkommen zu machen, weil in ihm allein die ganze Fülle der Gottheit, die Fülle aller Gnaden, Tugenden und Vollkommenheiten wohnt. Nur durch ihn, mit ihm und in ihm werden wir mit allen geistigen Segnungen beglückt. Er allein soll unser Lehrer sein, der uns unterrichtet, unser Herr, von dem wir abhängen, unser Haupt, dem wir angehören, unser Vorbild, nach dem wir uns gestalten, unser Arzt, der uns heilt, unser Hirte, der uns nährt, unser Weg, der uns führt, unsere Wahrheit, die wir glauben, unser Leben, das uns belebt, unser ein und alles, das uns genügt. Ja, es ist kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden können, als der Name Jesus. Gott hat keine andere Grundlage unseres Heiles, unserer Vollkommenheit und unserer Glorie gelebt als Jesus Christus. Jedes Gebäude, das nicht auf diesen festen Felsen gebaut ist, ist auf beweglichen Sand gegründet und wird über kurz oder lang unfehlbar zusammenstürzen. Jeder Gläubige, der nicht mit ihm verwachsen ist wie ein Rebzweig mit dem Weinstock, wird abfallen, verdorren und nur mehr dazu tauglich sein, ins Feuer geworfen zu werden. Außer ihm ist alles Eitelkeit, Verirrung, Lüge, Ungerechtigkeit, Tod und Verdammnis. Sind wir aber in Christus und ist Christus in uns, dann werden wir keine Verdammnis zu fürchten haben. Weder die Engel des Himmels, noch die Menschen auf der Erde, noch die Teufel in der Hölle, noch irgendwelche andere Geschöpfe können uns schaden, da sie uns von der Liebe Christi nicht trennen können. Durch Christus, mit Christus und in Christus sind wir imstande, alle Ehre und Verherrlichung dem Vater in Einigkeit des Hl. Geistes zu erweisen, uns selbst vollkommen zu machen und für unsere Mitmenschen ein Wohlgeruch des ewigen Lebens zu sein.

Wenn wir nun hier die wahre Andacht zu Maria darlegen, so geschieht es nur, um die Andacht zu Jesus Christus umso vollkommener zu gestalten, um ein leichtes und sicheres Mittel an die Hand zu geben, Jesus zu finden. Wenn die Andacht zur allerseligsten Jungfrau uns Jesus Christus entfremden würde, so müssten wir sie als eine Eingebung Satans verwerfen. Das ist aber so wenig der Fall, dass, wie ich bereits gezeigt habe und im folgenden noch zeigen werde, diese Andacht im Gegenteil uns nur deshalb notwendig ist, um Jesus Christus vollkommen zu finden, ihn zärtlich zu lieben und ihm treu zu dienen.

Ich wende mich hier einen Augenblick an Dich, o süßer Jesus, um mich von Deiner Majestät zärtlich zu beklagen, dass die meisten Christen, selbst die weisesten, die Verbindung nicht erkennen, welche zwischen Dir und Deiner heiligen Mutter besteht und bestehen muss: Du, o Herr, bist immer mit Maria und Maria ist immer mit Dir und kann nicht ohne Dich sein, sonst würde sie aufhören, das zu sein, was sie ist. Durch die Gnade ist sie dergestalt in Dich umgewandelt, dass nicht sie mehr lebt und nicht sie mehr ist. Du allein, o Jesus, bist es, der in ihr lebt und in ihr seine Herrschaft ausübt, vollkommener als in allen Engeln und Heiligen. O, wenn man die Ehre und die Liebe kennen würde, die du in diesem wunderbaren Geschöpfe empfängst, man brächte Dir und ihr ein ganz anderes Verständnis und eine viel tiefere Verehrung entgegen, als man es jetzt tut. Maria ist mit Dir so innig verbunden, dass man eher das Licht von der Sonne und die Wärme vom Feuer trennen könnte; ja noch mehr, eher könnte man alle Engel und Heiligen von Dir trennen, als Deine hehre Mutter. Weil sie Dich inniger liebt, verherrlicht sie Dich auch vollkommener als alle Deine anderen Geschöpfe zusammen.

Ist es darum nicht höchst staunens- und bedauernswert, mein liebenswürdiger Meister, die Unwissenheit und Blindheit sehen zu müssen, mit der die Menschen auf Erden Deiner heiligen Mutter gegenüber stehen? Ich rede hier nicht von den Götzendienern und Heiden, die keine Kenntnis von Dir haben und sich daher auch nicht darum kümmern, Maria kennen zu lernen. Ich rede auch nicht von den Häretiker und Schismatikern, die von der Andacht zu Deiner heiligsten Mutter nichts verstehen, weil sie von Dir wie von deiner heiligen Kirche getrennt sind. Ich denke hier nur an die katholischen Christen und vor allem an die Gelehrten, die zwar dazu berufen sind, andere in den Wahrheiten zu unterrichten, doch weder Dich noch Deine heilige Mutter wahrhaft kennen, und daher nur auf eine spekulative, trockene, unfruchtbare und gleichgültige Weise von Euch reden. Nur selten sprechen diese Herren von Deiner heiligen Mutter und von der Andacht, die man zu ihr haben soll. Denn sie befürchten, wie sie sich ausdrücken, man möchte damit Missbrauch treiben oder Dir dadurch eine Unbill zufügen, dass man Deiner heiligsten Mutter zu viel Ehre erweise. Wenn sie sehen oder hören, dass ein Verehrer Mariä oft von der zarten Andacht zu dieser guten Mutter in kräftiger und überzeugungsvoller Weise spricht, und diese Andacht als ein sicheres, untrügliches Mittel oder als einen kurzen, gefahrlosen Weg oder als einen vollkommenen und wunderbar geheimnisvollen Pfad bezeichnet, um Dich finden und von Herzen lieben zu können, so schreien sie gegen ihn und führen tausend falsche Gründe an, um zu beweisen, dass es nicht notwendig sei, so oft von Maria zu sprechen, dass es bei dieser Andacht große Missbräuche gebe, und dass man sich eher bemühen sollte, diese in Rücksicht auf die Andersgläubigen zu unterdrücken. Viel nachhaltiger sollte man lieber von Dir spreche, als das Volk zur Andacht zu Deiner hl. Mutter zu bewegen, die ja ohnehin schon genug geliebt werde.

Bisweilen hört man ja auch diese Herren über die Verehrung Mariä sprechen, jedoch nicht so sehr, um sie zu fördern oder zu empfehlen, als um die Missbräuche zu beseitigen, die angeblich damit getrieben werden. Sie betrachten den Psalter, das Skapulier, den kleinen Rosenkranz als Andachtsübungen, die nur für alberne Weiber oder für unwissende Leute passen und durchaus nicht notwendig sind, um selig zu werden. Wenn sie einen Verehrer der allerseligsten Jungfrau antreffen, der seinen kleinen Rosenkranz betet oder eine andere Andacht zu ihr pflegt, so suchen sie ihm eine andere Gesinnung beizubringen und raten ihm anstelle des Rosenkranzes besser die sieben Bußpsalmen zu beten, oder irgend ein anderes Gebet an Jesus Christus zu richten. In Wirklichkeit ist dabei ihre Frömmigkeit und Hingabe Dir gegenüber keineswegs inniger und zarter, eben weil ihnen die wahre Liebe zu Deiner Mutter und damit auch ihre Mithilfe mangelt.

O mein liebenswürdigster Jesus, haben diese Menschen deinen Geist? Kann ihre Handlungsweise Dir wohlgefallen? Heißt es Dir Liebe erweisen, wenn man die Liebe zu Deiner Mutter unterdrückt aus Furcht, Dir zu missfallen? Ist etwa die Andacht zu Deiner heiligen Mutter ein Hindernis für die Andacht zu Dir? Oder nimmt Maria etwa die Ehre, die man ihr erweist, für sich in Anspruch? Ist sie eine Fremde, die in keiner Verbindung zu Dir steht? Heißt es, sich von Deiner Liebe trennen oder entfernen, wenn man sich ihr schenkt und sie liebt? Wahrlich, mein liebenswürdigster Meister, es kann für die meisten dieser Gelehrten keine größere Strafe für ihren Stolz geben, als dass sie so weit von der Wahren Andacht zu Deiner Mutter entfernt sind und eine so große Gleichgültigkeit gegen sie an den Tag legen! Bewahre mich, o Herr, bewahre mich vor ihrem Irrtum und ihrem Verhalten, gib mir vielmehr einigen Anteil an der Gesinnung des Dankes, der Hochachtung und Liebe, die Du zu Deiner heiligen Mutter hegst, weil ich Dich umso mehr liebe und verherrliche, je mehr ich Dein Beispiel befolge.

Schenke mir doch, als ob ich bis jetzt noch nichts zu Ehren Deiner heiligen Mutter gesagt hätte, die Gnade, sie würdig zu loben, und zwar trotz aller ihrer Feinde, die auch sich, Gottes Barmherzigkeit für sich in Anspruch zu nehmen, der seine heilige Mutter zu erlangen und sie der ganzen Welt mitzuteilen, verleihe mir eine heiße Liebe zu Dir und nimm zu diesem Zweck die innige Bitte entgegen, die ich mit dem hl. Augustinus und Deinen wahren Freunden an Dich richte:


Gebet des Hl. Augustinus zu Jesus

Du bist Christus, mein heiliger Vater, mein barmherziger Gott, mein großer König, mein guter Hirt, mein einziger Lehrer, mein bester Helfer, mein schönster Geliebter, mein lebendiges Brot, mein Priester in Ewigkeit, mein Führer zum Vaterland, mein wahres Licht, meine heilige Süßigkeit, mein gerader Weg, meine hellerleuchtete Weisheit, meine reine Einfalt, meine friedensvolle Eintracht, mein ganzer Schutz, mein kostbares Erbe, mein ewiges Heil!

O Jesus Christus, liebenswürdiger Herr, warum habe ich in meinem ganzen Leben etwas anderes geliebt, etwas anderes verlangt, als Dich, Jesus, meinen Gott?

Wo war ich, da ich an Dich nicht dachte?

Von jetzt an erwärmet und ergießet euch, alle meine Wünsche, für Jesus, meinen Herrn; laufet schnell, genug habt ihr bis jetzt verzögert; eilet eurem Ziele zu, suchet, wonach ihr verlangt!

O Jesus, verworfen sei, wer Dich nicht liebt! Wer Dich nicht liebt, werde mit Bitterkeit gesättigt! O süßer Jesus, Dich liebe, in Dir erfreue sich, Dich bewundere jedes Menschenherz, das sich nach Deinem Lobe sehnt! Jesus Christus, Gott meines Herzens und mein Anteil, mein Herz verliere all sein Leben, lebe Du in mir! Es erglühe in meiner Seele die glimmende Kohle Deiner Liebe und entbrenne zu hell aufloderndem Feuer; sie brenne immerdar auf dem Altare meines Herzens, sie glühe im Innersten meines Wesens, sie flamme bis in den tiefsten Grund meiner Seele! Möchte ich am Tage meiner Vollendung vollkommen erfunden werden in Dir.

Amen.

Dieses wunderbare Gebet des hl. Augustinus habe ich hier anführen wollen, damit alle es täglich verrichten, um sich eine große Liebe zu Jesus zu erflehen, die wir durch Maria zu erlangen hoffen.

Heilige Schrift

Eph 3, 14-19 | Kol 2, 2-3

"Dessentwegen beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus... Möge er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihen, dass ihr durch seinen Geist mit Kraft innerlich stark werdet, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und dass ihr in der Liebe festgewurzelt und festgegründet seid. Dann vermögt ihr mit allen Heiligen die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe zu erfassen und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt." (Eph 3,14-19)

"Innerlich gefestigt und in Liebe vereint, sollen sie (die Christen) zum ganzen Reichtum des vollen Verständnisses gelangen, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes (des Vaters), das ist Christus (Jesus). In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen." (Kol 2,2-3)

Betrachtung: Die Nachfolge Christi, Buch I, Kapitel 5

Das Lesen der heiligen Schriften

1. Achte mehr auf den Inhalt als auf die Form.
2. Lies nicht als Wissender, sondern um zu lernen.

1. Suche Wahrheit in den heiligen Schriften, niicht den Glanz der Rede. "Jedes heilige Buch muss in dem Geist gelesen werden, in dem es verfaßt wurde." Wir müssen mehr auf unseren Nutzen als auf die gewählte Form achten. Darum sollten wir fromme und schlichte Bücher ebenso gern lesen wie hohe und gedankenschwere. Der Name des Verfassers und sein großes oder geringes Ansehen in der Literatur darf nicht stören. Was dich zum Buche führen soll, sei einzig die Liebe zur reinen Wahrheit. "Frage nicht, wer das gesagt hat, sondern achte auf das, was gesagt wird."
2. Die Menschen gehen dahin, die Wahrheit des Herrn aber bleibt in Ewigkeit. Gott spricht zu uns auf mannigfache Weise, ohne Ansehen der Person. Was uns beim Lesen der Schriften oft hindernd im Wege steht, ist unsere Neugier. Wir wollen begreifen und ergründen, worüber wir einfach hinweggehen sollten. Willst du aus der Lesung Nutzen ziehen, dann lies demütig, bescheiden und voll Vertrauen. Erhebe nie Anspruch auf den Namen eines Gelehrten. Stelle gern Fragen und höre schweigend auf die Worte der Heiligen. lass dich auch die Gleichnisreden der Alten nicht verdrießen; sie werden nicht ohne Grund gesprochen.

Abschließendes Gebet

Gott, du hast deinen eingebornen Sohn den Heidenvölkern durch den führenden Stern geoffenbart: gewähre gnädig, dass auch wir, die dich schon aus dem Glauben erkannt haben, zur Anschauung deines erhabenen Glanzes geführt werden.

Amen.

Hintergrund30. Tag der Vorbereitung - Das Goldene Buch | Marienweihe - Totus Tuus